Das Bestellpunktverfahren löst eine Bestellung aus, sobald der Bestand eines Artikels einen festgelegten Wert unterschreitet, den Meldebestand oder Bestellpunkt. Der Meldebestand ist so bemessen, dass die Ware während der Wiederbeschaffungszeit reicht und ein Sicherheitsbestand für Schwankungen bleibt. Bestellt wird also nicht nach Kalender, sondern nach Bestand.
Abgrenzung zum Bestellrhythmusverfahren
- Bestellpunktverfahren: feste Bestellschwelle, variabler Zeitpunkt. Bestellt wird, wenn der Meldebestand erreicht ist.
- Bestellrhythmusverfahren: fester Zeitpunkt, zum Beispiel jeden Montag, variable Menge. Bestellt wird, was bis zum nächsten Termin fehlt.
- Lieferantengesteuerter Bestand: Der Lieferant entscheidet selbst über den Nachschub, beschrieben im Beitrag zum Vendor Managed Inventory.
So wird der Meldebestand berechnet
Die gängige Formel lautet:
Meldebestand = durchschnittlicher Verbrauch je Tag × Wiederbeschaffungszeit in Tagen + Sicherheitsbestand
Modellrechnung (Beispielwerte, kein Kundenprojekt): Ein Artikel wird im Schnitt mit 40 Stück pro Tag verbraucht. Vom Bestellen bis zur gebuchten Einlagerung vergehen 5 Tage. Der Sicherheitsbestand ist auf 60 Stück festgelegt. Der Meldebestand liegt dann bei 40 × 5 + 60 = 260 Stück. Fällt der Bestand unter 260, wird bestellt.
Wichtig ist, was zur Wiederbeschaffungszeit gehört: nicht nur die Lieferzeit, sondern auch Zeit für die Bestellung selbst, für Wareneingang, Prüfung und Einlagerung. Wer nur die Lieferzeit ansetzt, bestellt regelmäßig zu spät.
Den Sicherheitsbestand festlegen
Der Sicherheitsbestand fängt zwei Unsicherheiten ab: Schwankungen im Verbrauch und Schwankungen in der Lieferzeit. Einfache Regel aus der Praxis ist ein fester Puffer in Tagen Verbrauch. Genauer ist eine Berechnung aus der Streuung des Verbrauchs. Für beide gilt: Ein höherer Sicherheitsbestand senkt das Fehlmengenrisiko und erhöht die Kapitalbindung. Wie Kapitalbindung bewertet wird, zeigt der Beitrag zu Opportunitätskosten in der Logistik.
Voraussetzungen und Grenzen
- Verlässlicher Bestand: Das Verfahren reagiert auf den Buchbestand. Stimmt er nicht, wird zu früh oder zu spät bestellt. Wie Bestände je Platz geführt werden, beschreibt der Beitrag zum Lagerverwaltungssystem.
- Laufende Bestandsprüfung: Jede Entnahme muss gebucht werden, damit der Meldebestand rechtzeitig auffällt.
- Regelmäßiger Verbrauch: Bei stark saisonalen oder sprunghaften Artikeln passt ein fester Meldebestand schlecht und muss regelmäßig angepasst werden.
- Pflege: Verbrauch und Lieferzeiten ändern sich. Ein Meldebestand, der seit Jahren nicht angepasst wurde, ist meist falsch.
Kennzahlen
- Lieferfähigkeit: Anteil der Bedarfe, die sofort aus dem Bestand bedient werden.
- Fehlmengen je Monat: wie oft ein Artikel trotz Meldebestand ausgegangen ist.
- Reichweite: wie viele Tage der Bestand bei aktuellem Verbrauch reicht.
- Umschlagshäufigkeit: wie oft der Bestand im Jahr umgesetzt wird.
Wie Kennzahlen mit fester Messregel aufgesetzt werden, beschreibt der Beitrag zu KPIs in der Logistik.
Modellfall: Ersatzteile mit falscher Wiederbeschaffungszeit
Modellfall (typischer Verlauf, kein Kundenprojekt): Ein Händler für Landmaschinenersatzteile arbeitet mit Meldebeständen, die aus den Lieferzeiten der Lieferanten berechnet wurden. Trotzdem laufen gängige Teile in der Erntesaison regelmäßig leer. Die Auswertung zeigt, dass Bestellungen erst am Folgetag ausgelöst werden und der Wareneingang in der Saison zwei Tage für die Einlagerung braucht. Beides fehlt in der Rechnung. Der Händler setzt die Wiederbeschaffungszeit vom Erreichen des Meldebestands bis zur gebuchten Einlagerung an, passt die Meldebestände für die Saison an und prüft sie vierteljährlich. Gemessen werden Fehlmengen je Monat und Lieferfähigkeit. Das Warnsignal: Fehlmengen bei Artikeln, deren Meldebestand rechnerisch reicht.
Verwandte Begriffe
- Meldebestand: Bestand, bei dem eine Bestellung ausgelöst wird.
- Sicherheitsbestand: Puffer gegen Verbrauchs- und Lieferzeitschwankungen.
- Wiederbeschaffungszeit: Zeit vom Bestellanstoß bis zur Verfügbarkeit im Lager.
- Höchstbestand: obere Grenze, die nach einer Lieferung nicht überschritten werden soll.
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Häufige Fragen zum Bestellpunktverfahren
Was ist das Bestellpunktverfahren?
Ein Dispositionsverfahren, bei dem eine Bestellung ausgelöst wird, sobald der Bestand eines Artikels den Meldebestand unterschreitet. Bestellt wird nach Bestand, nicht nach Kalender.
Wie berechnet man den Meldebestand?
Durchschnittlicher Verbrauch je Tag mal Wiederbeschaffungszeit in Tagen plus Sicherheitsbestand. Zur Wiederbeschaffungszeit gehören auch Bestellzeit, Wareneingang und Einlagerung.
Was ist der Unterschied zum Bestellrhythmusverfahren?
Beim Bestellpunktverfahren ist die Bestellschwelle fest und der Zeitpunkt variabel. Beim Bestellrhythmusverfahren ist der Zeitpunkt fest und die Menge variabel.
Wie hoch sollte der Sicherheitsbestand sein?
So hoch, dass Schwankungen in Verbrauch und Lieferzeit abgefangen werden. Ein höherer Sicherheitsbestand senkt das Fehlmengenrisiko, bindet aber mehr Kapital.


