Ergonomie bedeutet, die Arbeit an den Menschen anzupassen und nicht umgekehrt: Arbeitsplätze, Arbeitsmittel und Abläufe so zu gestalten, dass Beschäftigte ihre Arbeit ohne gesundheitlichen Schaden über viele Jahre leisten können. Im Lager geht es dabei vor allem um Heben und Tragen, Greifhöhen, Wege, Zwangshaltungen und die Verteilung belastender Tätigkeiten über die Schicht.
Ergonomie ist im Lager keine Wohlfühlmaßnahme. Für die manuelle Handhabung von Lasten gibt es eine eigene Verordnung, und die Gefährdungsbeurteilung verlangt ohnehin, Belastungen zu erfassen und zu senken.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
- Arbeitssicherheit: verhindert Unfälle, etwa durch Verkehrswege, Regalprüfung oder Staplerregeln. Ergonomie zielt auf Belastungen, die erst über Monate und Jahre schaden, etwa am Rücken oder an den Gelenken.
- Gesundheitsmanagement: umfasst Angebote wie Rückenkurse oder Gesundheitstage. Ergonomie verändert dagegen den Arbeitsplatz und den Ablauf selbst.
- Arbeitsorganisation: legt Schichten, Pausen und Rotation fest. Sie gehört zur Ergonomie, wenn sie dafür sorgt, dass belastende und leichtere Tätigkeiten wechseln.
Was die Rechtslage verlangt
Die Lastenhandhabungsverordnung gilt für die manuelle Handhabung von Lasten, die wegen ihrer Merkmale oder ungünstiger ergonomischer Bedingungen eine Gefährdung, insbesondere der Lendenwirbelsäule, mit sich bringen. Als manuelle Handhabung zählt jedes Befördern oder Abstützen durch menschliche Kraft, also Heben, Absetzen, Schieben, Ziehen, Tragen und Bewegen.
Nach § 2 LasthandhabV muss der Arbeitgeber solche gefährdenden Handhabungen zuerst durch organisatorische Maßnahmen oder geeignete Arbeitsmittel, insbesondere mechanische Ausrüstungen, vermeiden. Wo das nicht geht, werden die Arbeitsbedingungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG beurteilt und Maßnahmen getroffen, die die Gefährdung möglichst gering halten. Bei der Unterweisung sind nach § 4 LasthandhabV die körperliche Eignung der Beschäftigten und die sachgemäße Handhabung zu berücksichtigen.
Die Reihenfolge ist damit klar: erst vermeiden, dann technisch und organisatorisch erleichtern, zuletzt richtig unterweisen.
Typische Belastungen im Lager
- Heben und Tragen: schwere Kartons, Getränkekästen, Sackware, oft aus großer Tiefe oder über Schulterhöhe.
- Zwangshaltungen: Bücken in untere Regalfächer, Überkopfarbeit, Drehen des Oberkörpers mit Last.
- Wiederholung: hunderte gleiche Griffe pro Schicht an Packplätzen oder in der Kommissionierung.
- Wege und Stehen: lange Gehwege, Stehen auf hartem Boden ohne Wechsel.
- Klima: Arbeit in Kühlbereichen, Zugluft an Rolltoren oder Hitze unter dem Hallendach.
Wie Hitze im Lager die Arbeit belastet und welche Pflichten gelten, beschreibt der Beitrag zu Hitze im Lager.
Wirksame Maßnahmen
- Lagerplätze nach Gewicht und Häufigkeit vergeben: schwere und oft gegriffene Artikel auf Griffhöhe zwischen Knie und Schulter. Das ist zugleich eine Frage des Slottings, beschrieben im Beitrag zum Slotting mit ABC-XYZ-Analyse.
- Hilfsmittel einsetzen: Vakuumheber, Hubtische, höhenverstellbare Packtische, Rollenbahnen statt Tragen.
- Packplätze einstellen: Arbeitshöhe passend zur Person, Material in Griffweite, Bodenmatten an Stehplätzen.
- Tätigkeiten wechseln: innerhalb der Schicht zwischen belastenden und leichteren Aufgaben rotieren.
- Unterweisen und nachfragen: Hebetechnik zeigen, aber vor allem fragen, wo es wehtut. Beschäftigte kennen die Problemstellen meist genauer als jede Begehung.
Technik wie Exoskelette kann an einzelnen Arbeitsplätzen helfen, ersetzt aber nicht die Gestaltung des Platzes. Ein schweres Teil in Bodennähe bleibt eine Belastung, auch mit Stützhilfe.
Woran man den Erfolg misst
- Befunde der Gefährdungsbeurteilung: Anzahl der Arbeitsplätze mit hoher Belastung und ihre Entwicklung.
- Kurzzeiterkrankungen je Bereich: im Verlauf ausgewertet, nicht auf Einzelpersonen bezogen.
- Rückmeldungen der Beschäftigten: regelmäßig abgefragt, je Arbeitsplatz gesammelt.
- Fluktuation in belastenden Bereichen: hohe Belastung zeigt sich oft zuerst darin, dass Neue schnell wieder gehen.
Wie körperliche Belastung mit Bindung und frühen Abgängen zusammenhängt, beschreibt der Beitrag zum Retention Management in der Logistik. Weitere Pflichten im Lager behandelt der Beitrag zur Arbeitssicherheit in der Lagerlogistik.
Modellfall: Getränkekästen in der Kommissionierung
Modellfall (typischer Verlauf, kein Kundenprojekt): Ein Getränkegroßhändler kommissioniert Kästen für Gastronomie und Handel. Die schnell drehenden Sorten stehen auf der untersten Palettenebene, das Team hebt jeden Kasten aus Bodennähe auf den Kommissionierwagen. Rückenbeschwerden und Krankmeldungen häufen sich in diesem Bereich. Die Gefährdungsbeurteilung wird für die Kommissionierung neu gemacht. Danach kommen die meistgegriffenen Sorten auf erhöhte Stellplätze, schwere Kästen werden über eine Rollenbahn statt per Hand zum Wagen geführt, und das Team wechselt zur Schichtmitte zwischen Kommissionierung und Leergutannahme. Gemessen werden Belastungsbefunde, Kurzzeiterkrankungen im Bereich und Rückmeldungen im Team. Das Warnsignal: Die meistgegriffenen Artikel stehen auf der untersten Ebene, weil dort beim Einlagern gerade Platz war.
Verwandte Begriffe
- Gefährdungsbeurteilung: systematische Erfassung von Gefährdungen am Arbeitsplatz und Festlegung von Maßnahmen.
- Lastenhandhabung: Heben, Tragen, Schieben, Ziehen und Bewegen von Lasten durch menschliche Kraft.
- Muskel-Skelett-Belastung: Beanspruchung von Rücken, Gelenken und Muskulatur durch Last, Haltung und Wiederholung.
- Slotting: Zuordnung von Artikeln zu Lagerplätzen nach Zugriffshäufigkeit, Gewicht und Größe.
Prüfen wir, wie dein Bereich gestaltet ist
Allcox arbeitet nach eigener Angabe seit 2002 in der operativen Logistik. Im Werkvertrag übernehmen wir auf deiner Fläche abgegrenzte Bereiche wie Kommissionierung oder Lagerbewirtschaftung, mit eigener Teamleitung und eigener operativer Steuerung.
Wie sich ein Bereich bei dir mit vertretbarer Belastung und stabilem Ergebnis betreiben lässt, klären wir am Ablauf vor Ort.
Oder direkt: info@allcox.com · +49 40 253 06 225
Häufige Fragen zur Ergonomie im Lager
Was bedeutet Ergonomie in der Lagerlogistik?
Arbeitsplätze, Arbeitsmittel und Abläufe so zu gestalten, dass Beschäftigte ihre Arbeit ohne gesundheitlichen Schaden über viele Jahre leisten können. Im Lager geht es vor allem um Heben und Tragen, Greifhöhen, Wege, Zwangshaltungen und den Wechsel belastender Tätigkeiten.
Welche Vorschrift gilt für das Heben und Tragen im Lager?
Die Lastenhandhabungsverordnung. Sie verlangt, gefährdende manuelle Handhabungen zuerst durch Organisation oder Arbeitsmittel zu vermeiden und, wo das nicht geht, die Arbeitsbedingungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG zu beurteilen.
Welche ergonomischen Maßnahmen wirken im Lager am stärksten?
Schwere und oft gegriffene Artikel auf Griffhöhe lagern, Hilfsmittel wie Vakuumheber oder Hubtische einsetzen, Packplätze passend einstellen und belastende mit leichteren Tätigkeiten wechseln.
Wie lässt sich der Erfolg ergonomischer Maßnahmen messen?
Über die Befunde der Gefährdungsbeurteilung, Kurzzeiterkrankungen je Bereich im Verlauf, regelmäßige Rückmeldungen der Beschäftigten und die Fluktuation in belastenden Bereichen.


