Materialflusssteuerung ist die Planung, Auslösung und Überwachung aller Warenbewegungen in einem Lager oder Werk: vom Wareneingang über Einlagerung, Umlagerung und Nachschub bis zur Kommissionierung und zum Versand. Sie entscheidet, welche Bewegung wann, mit welchem Mittel und in welcher Reihenfolge stattfindet. In automatisierten Lagern übernimmt das ein Materialflussrechner, in manuellen Lagern das Lagerverwaltungssystem zusammen mit den Menschen, die Aufträge freigeben und Stapler einteilen.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
- Lagerverwaltung: führt Bestände und Lagerplätze und erzeugt Transportaufträge. Die Materialflusssteuerung setzt diese Aufträge in Bewegungen um.
- Intralogistik: der Oberbegriff für alle innerbetrieblichen Material- und Warenflüsse samt Technik. Die Materialflusssteuerung ist ihre Steuerungsebene.
- Produktionsplanung: legt fest, was wann produziert wird. Die Materialflusssteuerung sorgt dafür, dass das Material dafür rechtzeitig am Platz ist.
Die drei Ebenen der Steuerung
- Lagerverwaltungssystem: kennt Bestände, Plätze und Aufträge und entscheidet, was bewegt werden muss.
- Materialflussrechner: In automatisierten Anlagen nimmt er die Transportaufträge an, wählt Wege und Reihenfolge und gibt sie an die Fördertechnik weiter.
- Anlagensteuerung und Mensch: Fördertechnik, Regalbediengeräte und Fahrerlose Transportsysteme führen aus, in manuellen Bereichen Stapler und Kommissionierer nach Auftrag auf dem Scanner.
In vielen Lagern fehlt die mittlere Ebene. Dann ersetzt die Schichtleitung den Materialflussrechner, indem sie Prioritäten setzt und Stapler auf Zuruf einteilt. Das funktioniert, solange die Mengen überschaubar sind.
Was die Steuerung entscheidet
- Reihenfolge: welcher Auftrag zuerst bearbeitet wird, abhängig von Tour, Zeitfenster und Priorität.
- Nachschub: wann ein Kommissionierplatz aus der Reserve aufgefüllt wird, bevor er leerläuft.
- Wege und Ressourcen: welcher Stapler, welche Förderstrecke, welches Tor.
- Puffer: wie viel Ware in Bereitstellungs- und Vorzonen stehen darf, ohne dass Gänge blockieren.
Wo Artikel liegen, prägt den Materialfluss stark. Wie Plätze nach Zugriffshäufigkeit vergeben werden, beschreibt der Beitrag zum Slotting mit ABC-XYZ-Analyse.
Typische Störungen
- Leere Kommissionierplätze: Der Nachschub wird erst ausgelöst, wenn der Platz leer ist. Kommissionierer warten oder melden Fehlmengen.
- Stau in der Vorzone: Wareneingang und Versand nutzen dieselben Flächen, Paletten blockieren Wege.
- Gegenläufige Wege: Stapler fahren leer zurück, weil Ein- und Auslagerung nicht kombiniert werden.
- Prioritäten auf Zuruf: Eilaufträge werden mündlich durchgereicht, die geplante Reihenfolge zerfällt.
Wie Wareneingang und Warenausgang mit klaren Prüfpunkten und Zeitfenstern organisiert werden, zeigt der Beitrag zu Wareneingang und Warenausgang.
Kennzahlen der Materialflusssteuerung
- Durchlaufzeit je Auftrag: von der Freigabe bis zur Bereitstellung.
- Nachschubverzug: Anzahl der Fälle, in denen ein Kommissionierplatz leer war, bevor Nachschub kam.
- Leerfahrtanteil: Anteil der Staplerfahrten ohne Last.
- Auslastung der Fördertechnik oder Stapler: getrennt nach Stunden des Tages, um Spitzen zu sehen.
- Bestand in Vorzonen: Anzahl der Paletten, die auf Einlagerung oder Verladung warten.
Zielwerte ergeben sich aus dem eigenen Ausgangswert. Wie Kennzahlen mit fester Messregel aufgesetzt werden, beschreibt der Beitrag zu KPIs in der Logistik.
Modellfall: Nachschub in einem manuellen Lager
Modellfall (typischer Verlauf, kein Kundenprojekt): Ein Großhändler für Elektroinstallationsmaterial kommissioniert aus Fachbodenregalen, die Reserve steht im Hochregal. Nachschub wird erst gefahren, wenn ein Kommissionierer einen leeren Platz meldet. Am Vormittag, wenn die meisten Aufträge laufen, stehen Kommissionierer vor leeren Fächern, und Staplerfahrer pendeln zwischen Wareneingang und Nachschub. Das Lager stellt auf Nachschub nach Mindestbestand je Platz um, fährt den größten Teil des Nachschubs vor Schichtbeginn und kombiniert Ein- und Auslagerung auf einer Fahrt. Gemessen werden Nachschubverzug, Leerfahrtanteil und Durchlaufzeit je Auftrag. Das Warnsignal: Kommissionierer, die regelmäßig selbst zum Hochregal gehen, um Ware zu holen.
Verwandte Begriffe
- Materialflussrechner: Steuerungsrechner zwischen Lagerverwaltungssystem und Fördertechnik in automatisierten Anlagen.
- Nachschub: Auffüllen von Kommissionierplätzen aus der Reserve.
- Fördertechnik: Anlagen, die Behälter oder Paletten automatisch bewegen.
- Fulfillment: die gesamte Auftragsabwicklung von der Bestellung bis zur Retoure, beschrieben im Beitrag zum Fulfillment.
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Häufige Fragen zur Materialflusssteuerung
Was ist Materialflusssteuerung?
Die Planung, Auslösung und Überwachung aller Warenbewegungen in Lager oder Werk, vom Wareneingang über Einlagerung und Nachschub bis zur Kommissionierung und zum Versand.
Was macht ein Materialflussrechner?
In automatisierten Anlagen nimmt er Transportaufträge vom Lagerverwaltungssystem an, legt Wege und Reihenfolge fest und gibt sie an Fördertechnik und Regalbediengeräte weiter.
Braucht ein manuelles Lager eine Materialflusssteuerung?
Gesteuert wird immer, nur oft unbemerkt durch die Schichtleitung auf Zuruf. Mit wachsenden Mengen lohnen feste Regeln für Reihenfolge, Nachschub und Puffer im Lagerverwaltungssystem.
Welche Kennzahlen zeigen, ob der Materialfluss funktioniert?
Durchlaufzeit je Auftrag, Nachschubverzug, Leerfahrtanteil, Auslastung von Staplern oder Fördertechnik und der Bestand in Vorzonen.


