Negativ-Kommissionierung bedeutet, dass nicht die bestellte Menge aus einer Ladeeinheit entnommen wird, sondern die überschüssige Menge. Die restliche, fast volle Einheit geht direkt als Versandeinheit an den Kunden. Bestellt ein Kunde 90 von 100 Kartons einer Palette, nimmt der Kommissionierer zehn Kartons herunter, statt neunzig auf eine neue Palette zu setzen. Der Begriff kommt daher, dass die Entnahme gewissermaßen rückwärts läuft: Weggenommen wird, was nicht verschickt wird.
Abgrenzung zur positiven Kommissionierung
- Positive Kommissionierung: Die bestellte Menge wird aus dem Lager entnommen und auf einer neuen Versandeinheit zusammengestellt. Das ist der Normalfall bei kleinen Mengen je Position.
- Negativ-Kommissionierung: Die Lagereinheit wird zur Versandeinheit, entnommen wird nur der Überschuss. Sie lohnt sich, wenn die bestellte Menge nahe an der vollen Einheit liegt.
- Ganzpalettenversand: Die bestellte Menge entspricht genau einer vollen Einheit. Dann wird gar nicht kommissioniert, sondern nur ausgelagert.
Wie der Ablauf funktioniert
- Entscheidung im System: Das Lagerverwaltungssystem vergleicht bestellte Menge und Inhalt der Lagereinheit und legt fest, ob positiv oder negativ kommissioniert wird.
- Auslagerung der ganzen Einheit: Die Palette oder der Behälter wird an einen Kommissionierplatz oder in eine Zone für Negativentnahme gebracht.
- Entnahme des Überschusses: Der Kommissionierer nimmt die überschüssige Menge herunter und bestätigt sie per Scan.
- Rückführung des Überschusses: Die entnommene Menge geht als Anbruch zurück ins Lager, auf einen Kommissionierplatz oder auf eine Sammelpalette.
- Kennzeichnung und Versand: Die verbleibende Einheit wird als Versandeinheit gekennzeichnet und bereitgestellt.
Entscheidend ist Schritt 4. Ohne klare Regel, wohin der Überschuss geht, entstehen Anbrüche, die im System nicht dort stehen, wo sie physisch liegen.
Wann sich Negativ-Kommissionierung lohnt
- Große Mengen je Position: etwa im Großhandel, bei Getränken oder Baustoffen, wenn Bestellungen oft knapp unter einer vollen Palette liegen.
- Schwere oder sperrige Ware: Weniger Handgriffe heißen weniger Belastung und weniger Beschädigungen.
- Stabile Ladeeinheiten: Die Palette bleibt in ihrer ursprünglichen Sicherung, das spart Zeit beim Wickeln und Sichern.
Als grobe Orientierung gilt: Je näher die bestellte Menge an der vollen Einheit liegt, desto mehr spart die Negativentnahme. Wo genau die Schwelle liegt, hängt von Artikelgewicht, Handhabung und Rückführungsaufwand ab und wird am eigenen Sortiment festgelegt.
Grenzen und Risiken
- Bestandsfehler bei Anbrüchen: Wird der Überschuss nicht sofort gebucht, stimmt der Bestand nicht mehr.
- Mindesthaltbarkeit und Charge: Die Lagereinheit muss zu den Vorgaben des Kunden passen. Eine ältere Charge auf der Restpalette kann Entnahmeregeln verletzen.
- Platzbedarf: Für die Negativentnahme braucht es Fläche neben dem Weg, sonst blockieren ganze Paletten die Kommissioniergänge.
- Kundenvorgaben: Manche Abnehmer verlangen gemischte oder neu aufgebaute Paletten mit bestimmter Höhe und Kennzeichnung.
Wie Etiketten und Kundenvorgaben in den Kommissionierablauf eingebunden werden, beschreibt der Beitrag zu Kommissionierung und Etikettierung.
Kennzahlen
- Anteil Negativentnahmen: Anteil der Positionen, die negativ kommissioniert werden.
- Handgriffe je Position: im Vergleich zwischen positiver und negativer Entnahme.
- Buchungsabweichungen bei Anbrüchen: Differenzen zwischen System und Lagerplatz bei Inventur oder Stichprobe.
- Durchlaufzeit je Palette: von der Auslagerung bis zur Bereitstellung.
Wie Kennzahlen mit fester Messregel aufgesetzt werden, beschreibt der Beitrag zu KPIs in der Logistik.
Modellfall: Baustoffhandel mit Teilpaletten
Modellfall (typischer Verlauf, kein Kundenprojekt): Ein Baustoffhändler beliefert Handwerksbetriebe mit Fliesenkleber und Putz in Sackware. Viele Bestellungen liegen bei 40 von 48 Sack einer Palette, kommissioniert wird aber immer positiv: Das Team setzt Sack für Sack auf eine neue Palette und wickelt sie neu. Die Kommissionierung ist körperlich schwer und langsam, und neu gebaute Paletten verrutschen häufiger auf dem Lkw. Der Händler stellt Positionen ab einer festgelegten Schwelle auf Negativentnahme um, richtet eine Fläche für Anbrüche neben der Versandzone ein und bucht jeden entnommenen Überschuss sofort per Scan. Gemessen werden Handgriffe je Position, Ladungsschäden und Buchungsabweichungen bei Anbrüchen. Das Warnsignal: Anbruchpaletten, die im System an keinem Lagerplatz stehen.
Verwandte Begriffe
- Positive Kommissionierung: Entnahme der bestellten Menge auf eine neue Versandeinheit.
- Batch-Kommissionierung: gemeinsame Entnahme für mehrere Aufträge, beschrieben im Beitrag zur Batch-Kommissionierung.
- Anbruch: angebrochene Lagereinheit mit Restmenge.
- Slotting: Platzvergabe nach Zugriff und Menge, beschrieben im Beitrag zum Slotting mit ABC-XYZ-Analyse.
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Häufige Fragen zur Negativ-Kommissionierung
Was ist Negativ-Kommissionierung?
Statt der bestellten Menge wird der Überschuss aus einer Lagereinheit entnommen. Die restliche, fast volle Einheit geht direkt als Versandeinheit an den Kunden.
Was ist der Unterschied zur positiven Kommissionierung?
Bei der positiven Kommissionierung wird die bestellte Menge auf eine neue Versandeinheit gesetzt. Bei der negativen wird die Lagereinheit selbst zur Versandeinheit, entnommen wird nur, was nicht verschickt wird.
Wann lohnt sich Negativ-Kommissionierung?
Wenn die bestellte Menge nahe an der vollen Ladeeinheit liegt, besonders bei schwerer oder sperriger Ware. Die genaue Schwelle hängt von Gewicht, Handhabung und Rückführungsaufwand ab.
Welche Risiken hat Negativ-Kommissionierung?
Bestandsfehler, wenn der entnommene Überschuss nicht sofort gebucht wird, Konflikte mit Chargen- oder Haltbarkeitsvorgaben und Kunden, die neu aufgebaute Paletten verlangen.


